Montag, 3. Mai 2010

Zentralamerika hat uns herausgefordert!
Monsunartige Regenfaelle, abartige Hitzewellen, Luftfeuchtigkeit bei gefuehlten 100Prozent, Moskitoueberfaelle trotz uebertriebenem Autankonsum, Kakerlakenalarm im Schlafzimmer, unzaehlige Polizeikontrollen von schwerst-bewaffneten Maennern und Gruppenglotzen der Indigenen.
Aber ganz von vorne:Es gibt schliesslich einiges aufzuholen nach der langen Funkstille, die wir dem fehlenden Internet zu verschulden haben.
Das Wichtigste zuerst: wir haben Nachwuchs bekommen. Und zwar ganze zwei Mal! Das erste”Baby”ist ein absolut ranziger aber trotzem wunderschoener Nissan Sentra aus dem Jahre 1982, an dem eigentlich alles kaputt ist, ausser der Motor und die Anlage mit zweit fetten Lautsprechern, die wir fuer billiges Geld einbauen haben lassen. Dann ist da noch der gute Markus, der Gott sei Dank nach drei gecancelten Fluegen und mit einigen Stunden Rucksackverspaetung endlich in Guatemala City angekommen ist und uns nun seit vier Tagen auf unserem Trip begleitet.

Aber jetzt wirklich ganz von vorne. An unserem ersten Tag in Gutatemala City entschieden wir uns, bei der Firma “Rent a car” einen weissen Mitsubishi zu mieten und damit die Region zu erkunden. Unsere Ausflugsziele waren (nachdem wir nach einer geschlagenen Stunde des Verfahrens dem gestoerten Verkehr der Hauptstadt entkommen waren) der riesige See Atitlan und die Mayaruinen in Tecpan, wo wir den wohl suessesten Hund der Welt trafen, der uns eine lange Zeit hinterherlief und den wir fast mitgenommen haetten. Die Zeit mit dem Mietauto gefiel uns so gut, dass wir die fixe Idee hatten, uns mal nach einem zum Verkauf freistehenden und erschwinglichen Auto umzuschauen. Die Kurzversion der folgenden drei Tage in der Hauptstadt sieht so aus: Nach scheinbar nie endendem Papierkram und dem Verlust einiger Nerven vor Behoerdenschaltern war die Karre, die wir als erstes in Augenschein nahmen, endlich gekauft und rechtmaessig auf unsere Namen umgeschrieben. Alleine haetten wir diesen Kraftakt jedoch niemals zustande gebracht und waeren laecherlich an den absurden guatemalischen Gesetzen bezueglich eines Autokaufes gescheitert. Zu verdanken haben wir das alles naemlich ERWIN (nach dem wir unseren Nissan benannt haben) und LADY: zwei wunderbaren Menschen, wie man sie nur selten auf der Welt trifft. Erwin lernten wir bereits bei der Autoverleihfirma kennen und als er mitbekam, dass wir auf der Suche nach einem alten Auto sind, bot er an uns zu helfen und uns ein paar Autos zu zeigen. Wir merkten bald, dass Erwin absolut OK ist und uns nicht abzocken will. Da es wie gesagt mit den Papieren einige Komplikationen gab, wich er uns die naechsten drei Tage nicht mehr von der Seite und stellte uns seiner Frau Lady und seinen zwei suessen Kindern vor. Die Freundlichkeit der Familie ging sogar so weit, dass wir nicht nur in ihrem Haus wohnen, sondern sogar in ihrem eigenen Schlafzimmer schlafen durften. Auch Lady opferte ihre Zeit und schlug sich fuer uns mit aetzenden Behoerden rum. Als die ganze Sache endlich ueber die Buehne gelaufen war, zogen wir mit Lady und Erwin durch die Guatemalische Clubszene und feierten den Erwerb unseres neuen-alten Autos. Am naechsten Tag verabschiedeten wir uns schweren Herzens von unseren neugewonnenen Freunden und machten uns auf den Weg zu Grenze nach HONDURAS, noch nicht wissend, dass wir die Beiden bereits viel frueher als gedacht wiedersehen wuerden......



Unsere erste Stunde Fahrt mit UNSEREM Auto verlief wunderbar; der Lautstaerkeregler stand auf Anschlag, wir genossen die tolle Landschaft und die Tatsache, dass wir uns nicht mehr in einen vollgestopften Bus quetschen muessen, sondern mit der Karre ERWIN auch unser eigenes kleines Reich hatten. Danach ging es allerdings den Bach runter. Angefangen hat es mit dem Ausfall der Blinker, dann merkten wir, dass auch das eine Vorderlicht den Geist aufgegeben hatte und das Fernlicht nicht funktionierte. Zu bloed, dass es gerade daemmerte und weit und breit kein Hotel in Sicht war. Naja, wir zogen es jedenfalls durch und fuhren eben mit einem Licht weiter. Dann fing es ploetzlich an zu regnen und zu gewittern. Macht nix-weiter gehts, kann ja nicht mehr lange dauern...Aus den vielen umgefallenen Baeumen scholssen wir, dass wohl nur ein paar Stunden zuvor ein deftiger Sturm sein Unwesen in der Gegend getrieben haben muss. Ein weiterer Adrenalinstoss war, als wir auf einmal eine riesige, dunkle Siluhette auf der Fahrbahn vor uns entdeckten, die immer naeher und naeher kam. Die unheimliche Gestalt stellte sich als ein Lastwagen heraus, der einfach mal ohne jegliche Rueckbeleuchtung durch die Gegend tuckerte. Von dieser Sorte begegneten wir noch zwei weiteren und jedes Mal war es ein kleiner Schreck, da man sie erst im letzten Moment sehen und reagieren konnte.
Der naechste Tag verlief dafuer umso besser. Wir suchten einen Elektroniker auf und behoben das Lichtproblem (es war einfach nur eine Sicherung durchgebrannt), dann ueberquerten wir die Grenze zu Honduras, machten einen kurzen Stopp in Copan, wo es ziemlich beruehmte Ruinen gibt, die wir aus Zeitgruenden jedoch nicht besichtigen konnten und fuhren ein ganzes Stueck weiter nach Tela. Die Stadt ist eine schoene, kleine Kuestenstadt, direkt am karibischen Meer und hat die angeblich besten Straende von ganz Honduras. Noch besser gefiel uns allerdings La Ceiba, die naechste Stadt an der Kueste, von wo aus jeden Tag kleine Passagierfaehren zu den Inseln Roatan und Utila fuhren. Ein Einheimischer empfohl uns die kleinere Insel Utila, da es dort weniger Turismus gaebe und um einiges billiger und lockerer waere. Also beschlossen wir, drei Tage gechilltes Inselleben zu geniessen, was wir nach dem ganzen Stress in Guatemala City auch bitter noetig hatten.
Utila war ein einziger Erfolg, wir trafen total viele junge Leute aus der ganzen Welt, die dorthin zum tauchen gehen und flippten fast aus, als wir die Preise dort sahen. (Pina Coladas, Cuba Libre USW. fuer 20Lempiras, also einen Dollar!) Am ersten Tag mieteten wir uns mal wieder zwei Fahrraeder und wollten einmal um die Insel fahren. Leider hatten wir die Groesse voellig falsch eingeschaetzt und buessten das mit einem Rundweg, der nicht mehr enden wollte und einem fast-Sonnenstich...Die Hitze auf Utila war einfach nur unmenschlich. Keine zwei Minuten nach dem Duschen klebte man bereits wieder am ganzen Koerper und der Schweiss lief in Massen. Am zweiten Tag lernten wir Alex kennen, der fuer den Tauchverein Paradise Divers arbeitete und uns ueberzeugte, in deren Raeumlichkeiten umsonst zu bleiben und dafuer einmal zu Tauchen. Niko war sofort Feuer und Flamme; er hat ja einen Tauchschein, waehrend ich mich fuers erste mit der Schnorchelausruestung zufrieden gab. Zu siebt fuhren wir mit einem kleinen Boot raus aufs karibische Meer, durch das man auch ohne Taucherbrille oft bis auf den Grund sehen konnte. Niko sah einen ca.3Meter langen Barakuda und ich schoss mit unserer neuen Unterwasserkamera (leider analog, also keine Bilder fuer den Blog) ein paar Bilder.
Nach dem Tauchen hatten wir natuerlich Hunger wie ein Baer und grillten zusammen mit Alex die drei riesigen Stuecke Tunfisch, die wir am Morgen dem Fischer Zorro fuer 5 Dollar abgekauft hatten.
Die Zeit auf der Insel war wirklich sehr erholsam doch die ganze Energie, die wir dort aufgetankt hatten, war mit einem Schlag wieder verpulvert...

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Die Zeit auf der Insel war wirklich sehr erholsam doch die ganze Energie, die wir dort aufgetankt hatten, war mit einem Schlag wieder verpulvert, als wir erfuhren, dass unser eigentlicher Reiseplan voellig umgestaltet werden muss, da es offenbar keinerlei bezahlbare Moeglichkeiten gibt um mit dem Auto von Panama nach Suedamerika zu kommen. Wir hatten urspruenglich ein Treffen mit Markus in Ecuador vereinbart und wollten unseren Freund mal eben flott mit einer eigenen Karre ueberraschen. Leider mussten wir ihm genau dies mitteilen, allerdings mit dem klitzekleinen Zusatz, dass dieser Plan eben nicht so ganz aufgehen wird. Also suchten wir nach Alternativen und kamen schliesslich zu einer logischen Schlussfolgerung>Markus soll doch einfach von Ecuador zu uns nach Zentralamerika fliegen! Gesagt getan: Fuer den 27.April wurde ein Flug nach Guatemala City gebucht. Wir mussten also auf dem schnellsten Weg wieder an unseren Startpunkt zurueckfahren, damit wir den zum Glueck so flexiblen Markus auch puenktlich vom Flughafen abholen konnten. Back in Guatemala jagten wir Lady und Erwin erstmal einen gehoerigen Schrecken ein. Sie dachten natuerlich, irgendwas sei passiert, nachdem sie uns nach so kurzer Zeit schon wieder zu Gesicht bekamen. Danach war die Wiedersehensfreude jedoch gross und wurde mit einem von uns selbstgemachten Schnitzel gefeiert.

Das mit dem puenktlichen Abholen hat jedoch auch nicht so wirklich funktioniert. Wegen technischen Problemen und einem “Riesensturm”(Zitat Markus) in Miami.wurden ganze drei Fluege von ihm gecancelt und so kam er voellig gestresst ganze eineinhalb Tage zu spaet in Guatemala an. Ohne Rucksack wohlgemerkt! Der war zu der Zeit naemlich noch in Miami, ein paar Trottel hatten wohl vergessen, ihn mit aufs Flugzeug zu packen. Wenigstens hatte er einen Abholschein und sollte ihn abens am Flughafen abholen. Ok, fahren wir eben nochmal hin, dachten wir. Wieder falsch gedacht! Als wir naemlich unseren Erwin so unschuldig am Strassenrand geparkt sahen, entdeckten wir eine ganz und gar unschoene, knallrote Wegfahrsperre am Vorderrad und einen saftigen Strafzettel. Trotz einer deftigen Diskussion mit der Verkehrspolizei mussten wir den stolzen Preis von 500Quezales (50Euro) zahlen, nur weil wir auf einer durchgezogenen roten Linie geparkt hatten, die man vor lauter Staub und Witterung kaum noch sehen konnte. Ach ja, zwischendurch schlossen wir uns mal eben kurz selber ausgeschlossen, da Niko den Schluessel stecken lies und ich die Tasche mit dem Ersaztschluessel vergas. Ein dicker Draht und eine verbiegbare Tuer retteten uns vor dieser Peinlichkeit, bevor die Polizei eintrudelte. Nach diesem absolut ungluecksgeladenen Start konnte es eigentlich nur besser werden. Zuerst zauberten wir ein kleines Abendessen bei Lady und Erwin und sassen als lustige, mit Bier ausgestattete Runde und auf der Dachterrasse und unterhielten uns ueber die Unterschiede unserer beiden Laender, die das Reisen so toll und interessant machen.